Von Alexander Frimberger

Furth im Wald. Eine funktionierende Kommune braucht ein soziales Gewissen. Das hat Furth im Wald mit Silke Schell ganz sicher. Die Vorsitzende der Stadt-SPD ist als amtierende Stadträtin auch Sozialreferentin. Sie sagt: „Furth hat seine Hausaufgaben gemacht, aber natürlich können wir uns immer verbessern.“
Man sieht der Diplom-Sozialpädagogin an, dass sie für ihr Thema brennt. Sie strahlt und es sprudelt nur so aus ihr heraus. „Es ist einfach schön, wenn man jemandem helfen kann“, findet sie.Bild Silke Schell Echo

Es scheitert am Geld

Schell redet nicht nur, sie handelt auch. In den Sozialen Medien sucht sie für Bedürftige Schränke, Betten und andere Möbel, die nicht mehr gebraucht werden, hilft ehrenamtlich dabei, Anträge auszufüllen und vieles mehr. Die „Roten“ in der Drachenstadt haben bereits überlegt, eine ehrenamtliche Anlaufstelle für Bürger zu sein. „Das“, sagt sie, „können wir aber einfach nicht finanzieren.“
Auch deswegen ist sie großer Fan des Modellprojekts Gemeindeschwester, das gerade in Waldmünchen läuft. Sicher noch eineinhalb Jahre, dann könnte es bei positiven Erfahrungen eine Fortführung geben. Da möchte Schell dabei sein. Wenn man sich beispielsweise mit Arnschwang zusammen tun würde, käme die erforderliche Anzahl von rund 10000 bis 15000 Bürgern zusammen. Wo das Ehrenamt an seine Grenzen stößt, hilft die Gemeindeschwester. Sie hilft beim Ausfüllen von Pflegeanträgen, weiß, wohin man sich wenden muss, kann Fragen beantworten und baut Helfernetze auf. Natürlich gibt es auch andere Anlaufstellen. „In Cham hat man ja alles vor Ort, das Landratsamt, den VDK oder die Wohngeldstelle.“ Auf dem Land sehe das ganz anders aus. Da müsse man eben erst in die Kreisstadt fahren. Ist der Partner gestorben oder die Kinder aus dem Haus, gibt es für Pflegebedürftige häufig keine Möglichkeit, den Weg zu meistern. Ein Beispiel, wo Unterstützung schon gut klappt seien die „Helfer mit Herz“. Die fahren demnach auch zu den Menschen nach Hause, gehen einkaufen und kämen auch zum sauber machen. Die Sozialpädagogin verweist auf den psychologischen Effekt: Da passiert etwas Schreckliches und dann muss man auch noch überall hinrennen. „Da ist es doch toll, wenn man bei der Hand genommen wird und einem geholfen wird.“ Anträge richtig auszufüllen, sagt sie in diesem Zusammenhang, ist enorm wichtig.
Natürlich wird der viel zitierte demografische Wandel, die Generation der sogenannten Boomer, die in den nächsten Jahren in Rente gehen, das Problem auch in Furth im Wald verschärfen. Doch ganz ausdrücklich weist Schell auch auf die vielen jungen Leute hin, die im Rollstuhl sitzen oder anderweitig Hilfe brauchen. „Ein Motorradsturz, eine Querschnittslähmung und schon ist man in der Situation gefangen.“ Wo lebt ein Mensch in Furth im Wald, der im Rollstuhl landet?, fragt sich die 50-Jährige. Da sieht sie Nachholbedarf, auch wenn sie gleichzeitig sagt: „In diesem Bereich verbessern wir uns in der Stadt ständig.“ Sie verweist auf das neu sanierte Amtsgerichtsgebäude, in dem unter anderem die Touristinformation und die Stadtbibliothek untergebracht ist. Auch die öffentliche Toilette beim Rathaus sei barrierefrei. Zu erreichen ist die über die steile Straße natürlich für Rollstuhlfahrer kaum. Stimmt, bestätigt die Stadträtin, aber das ist ein topografisches Problem, das kaum zu lösen ist. Die Stadtmitte liegt eben auf einem Hügel.
Was aber gemacht werden kann, ist, in Zukunft barrierefreien Wohnraum für junge und alte Menschen zu schaffen. Das urbane Wohnprojekt, das auf dem Späthgelände an der Lorenz-Zierl-Straße einmal entstehen soll, sollte unbedingt barrierefrei werden. „Das wäre gerade für junge Leute unglaublich wichtig, Möglichkeiten zu schaffen.“

Ein Gesundheitsaspekt

Zum Teil seien auch die Bordsteinkanten im Stadtbereich noch sehr hoch, sollten abgesenkt werden. Sinnvoll wäre es ihrer Ansicht nach, Rollstuhlfahrer mit ins Boot zu holen. „Man ist nie so gut, wie der, den es betrifft.“Doch Schell hat auch Lob für die Stadtverwaltung. Als der Parkplatz am Schießstättenweg saniert wurde, wurden auf ihre Anregung Hürden beseitigt. „Ein Lob an die Stadt und den Bauhof, die das gleich umgesetzt haben.“ Bauamtsleiter Alois Stoiber sei für jede Anregung dankbar.
Schließlich wünscht sie sich auch noch etwas mehr Engagement für Jugendliche, die nicht in Vereinen eingebunden sind. Jugend-Disco oder -Kino in der Parkarena zum Beispiel, Auftritte von Nachwuchsbands oder auch Räumlichkeiten als Treffpunkt schwebt ihr hier vor.
„Wir sind nicht schlecht aufgestellt, aber man kann immer besser werden“, lautet ihr Fazit. Die Demografie schreite voran, wenn die Leute lange am Leben Teil haben, halte das auch gesund."