Fischrede 2026

von Thomas SchellSPD Aschermittwoch 3
21.02.2026

Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Gäste – und liebe Fische aller Gewässer,

ich muss gleich zu Beginn etwas gestehen:
Ich bin ein wenig erstaunt.
Eine Fischrede –
nicht am Aschermittwoch, sondern erst am Samstag danach.
Zuerst dachte ich:
Hat sich der Fischschwarm verspätet?
War die Strömung zu stark oder wurde zu spät gelaicht?
Nein, mir wurde erklärt:
Unsere SPD-Vorsitzende Silke Schell weilte nicht in Furth im Wald,
sondern in Hamburg.
Und zwar nicht aus politischen Gründen – nein, viel schöner:
wegen eines Weihnachtsgeschenks.
Ich finde, das ist gelebte soziale Marktwirtschaft:
Andere bekommen Socken oder Krawatten, Silke bekommt Hamburg.
So geht SPD!
Und dann habe ich einen ganz klaren Vorteil dieser Verschiebung erkannt:
Am Samstag sind wir kulinarisch nicht mehr an Fisch gebunden.
Wir müssen uns nicht asketisch durch Scholle und Hering arbeiten,
sondern dürfen – ganz sozialdemokratisch –
die komplette Speisekarte nutzen.
Fortschritt, meine Damen und Herren, beginnt manchmal auf dem Teller.
Aber nun zu unserer Fischrede!

1. Von Fischen, die abtauchen
Heute müssen wir wieder über einen ganz besonderen Fisch sprechen.
Über einen Fisch, der Furth im Wald jahrelang beschäftigt hat und wahrscheinlich wieder beschäftigen wird.
Ja – man könnte sagen: Er hat bei uns hohe Wellen geschlagen.
Es geht um die Makrele von Furth, besser bekannt als Meckerele.
Diese Meckerele war und ist kein gewöhnlicher Fisch. Nein, sie lebt von Empörung und ernährt sich von Gerüchten.
Sie war politisch mehr oder weniger interessiert, lautstark engagiert und vor allem:
ständig am Schimpfen und Motzen. Besonders im Hinblick auf die LGS 2025.
Wo immer man in Furth hingehört hat – zack – war sie da.
„Des passt ned!“
„Früher war alles besser!“
„Des wird eh nix!“
„Zu teuer!“
„Aber die Straßen werden ned hergricht!“
Man konnte fast meinen, sie sei Mitglied in sämtlichen Kommentarspalten zugleich und wisse alles besser!
Und dann kam sie immer näher:
Die Landesgartenschau 2025 in Furth im Wald.
Monatelang hatte die Meckerele geschimpft.
Über Baustellen.
Über Gärtner.
Über Parkplätze.
Über Blumen.
Über zu viele Blumen.
Und – man glaubt es kaum – über zu wenig Blumen.
Aber dann: Eröffnungstag, 22. Mai 2025
Band durchgeschnitten.
Blumen blühen.
Menschen lachen.
Furth zeigt, was es kann.
Und was passiert?
Kein Gemecker. Kein Gemotze. Die Meckerele verstummt.
Kein „Ich hab’s ja gleich gesagt“ oder „Die werden nie fertig!“
Nicht einmal mehr ein schlecht gelaunter Facebook-Kommentar!
Seitdem: Nichts mehr. Wir rätseln bis heute.
Ist sie beleidigt abgetaucht, oder ist sie gar ausgestorben?
Hat sie gemerkt, dass Furth im Wald doch mehr kann, als sie gedacht hat?
Oder ist sie irgendwo ganz unten im Tümpel zwischen Seegras und Bodenschlamm versteckt und überlegt noch, worüber sie sich als Nächstes beschweren könnte?
Vielleicht schwimmt sie jetzt auch im großen Ozean der Erkenntnis.
Oder – und das wäre meine Hoffnung – sie hat gemerkt:
Sachliche Kritik ist wichtig, aber Gestalten ist besser.
Und genau dafür steht die SPD in Furth im Wald.
Nicht nur motzen wie eine Meckerele,
sondern anpacken wie ein ganzer Schwarm solidarischer Fische.
Wir haben gezeigt:
Große Projekte gehen –
für unsere Stadt,
für die Menschen,
für die Zukunft.
Aber wann taucht sie wieder auf, die Meckerele?
Vermutlich bei der nächsten Veränderung.
Egal welcher Art. Egal wie groß, egal wie klein.
Ein neuer Weg.
Ein neues Projekt.
Ein neuer Gedanke. Vielleicht sogar ein revolutionärer Gedanke…
Dann wird es wieder heißen:
Alarm!
Skandal!
Bürgerbegehren!
Großes Tohuwabohu,
viel Getöse
und dramatische Warnungen.
Und wir kennen den Ausgang schon:
Wird wieder ein Bürgerbegehren angekündigt?
Und dann –
sang- und klanglos im Bermuda Dreieck verschollen.
So wie die Meckerele selbst, wenn die Realität einsetzt.
Wir von der SPD haben keine Lust auf politische Seifenblasen.
Wir setzen lieber auf nachhaltige Politik,
die auch dann noch trägt, wenn das Wasser wieder ruhig ist.

Denn in den letzten Jahren war die SPD-Fraktion im Stadtrat Furth im Wald
zwar klein,aber alles andere als leise.
Vertreten wurde sie von zwei grazilen Forellendamen, so ansehnlich wie Zierfische
Zwei.
Nicht zehn, nicht zwanzig –
zwei.
Man könnte meinen, zwei Stimmen im Stadtrat sind wie zwei Sardinen im Ozean – leicht zu übersehen. Aber nein, diese beiden waren keine Sardinen. Sie waren wie Piranhas im Goldfischglas.
Sie haben es geschafft, immer wieder für Aufsehen zu sorgen.
Sie haben ihre Stimme erhoben, wenn andere lieber geschwiegen haben.
Sie haben nachgehakt, wenn andere abgetaucht sind.
Und sie haben bewiesen, dass politische Wirkung nichts mit Fraktionsgröße zu tun hat,
sondern mit Haltung, Mut und Ausdauer.
Trotz kleiner Fraktion
konnten viele gute Ergebnisse erzielt werden –
von konkreten Verbesserungen bis hin zu wichtigen Debatten,
die sonst vielleicht nie geführt worden wären.
Das sind keine Phrasen oder Geschrei vom Fischmarkt, das ist politische Realität.

2. Der Wahlkampf – Die wundersame Vermehrung
Während andere erst jetzt hektisch Luft holen, ihre Kiemen mit Frischwasser fluten,
war die SPD in Furth im Wald die ganze Zeit da.
Nicht nur im Wahlkampf, sondern im Alltag.
Denn: Wahlkampf erkennt man daran, dass plötzlich alle wieder auftauchen.
Als würde man Fischfutter in den Weiher werfen.
Hektik, Gewimmel, Durcheinander.
Listen über Listen.
Unabhängige Umlandslisten.
Und so viele, christliche Listen,
dass man meinen könnte,
die Kirche am Sonntag müsste bis auf den letzten Platz gefüllt sein.
Mit Warteliste. Und Stehplätzen im Seitenschiff.
Wenn politische Frömmigkeit mit Gottesdienstbesuch korrelieren würde,
müsste der Pfarrer anbauen.

Und dann sind da noch die „unabhängigen“ Umlandslisten.
Unabhängig – das klingt stark, das klingt mutig, das klingt frei.
Auch sie sind wieder erstaunlich aktiv.
Eine ist sogar so aktiv,
dass sie sich die Mühe eines eigenen Wahlprogramms gleich ganz spart.
Das ist dann weniger ein Wahlprogramm als ein Beitrittsformular.
Man weiß ja jetzt schon,dass man nach der Wahl
wieder brav mit dem Großschwarm der CSU schwimmt.
Inhalt optional, Hauptsache im Schwarm der Trachtenjankerträger mit dabei.

Eine andere Umlandsliste wiederrum ist so unabhängig,dass sie bei einer Wahlveranstaltung
gleich den CSU-Bürgermeister mitgebracht hat – inklusive Rede.
Das ist bemerkenswert. Das gleicht einer Familienzusammenführung.
Einerseits heißt es jahrelang: „Wir sind keine CSU-Liste!“
Andererseits steht dann bei der Veranstaltung der CSU-Bürgermeister vorne
und erklärt, wie gut alles läuft.
Unabhängigkeit mit Geschmäckle.
Manchmal könnte man fast meinen,
„Umlandsliste“ sei nur das freundlichere Wort für „Tarnliste“ -
biologisch hochinteressant, politisch noch mehr.
Aber gut – jeder darf schwimmen, wo er will und mit wem er will.
Man sollte nur ehrlich sagen, dass man im gleichen Becken, mit der gleichen Strömung schwimmt.

3. Der Jahresempfang der Stadt – Keine Wahlkampfveranstaltung. Natürlich nicht.
Besonders beeindruckt hat mich kürzlich der Jahresempfang der Stadt Furth im Wald und im Besonderen die Rede des Bürgermeisters.
Zu Beginn die beruhigende Aussage:
„Das ist keine Wahlkampfveranstaltung.“
Und ich dachte: Wie beruhigend.
Dann kam die PowerPoint-Präsentation.
Egal welches Bild erschien –
Gruppenbild, Baustelle, Veranstaltung, Spaziergang übers Gelände –
es waren immer und überall CSUler zu sehen.
Ich habe kurz überlegt, ob die Kamera einen CSU-Filter eingebaut hatte.
Es war fast wie eine Naturdokumentation mit dem Titel „Der CSUler in seinem natürlichen Lebensraum“
Erst ganz am Ende wurde ohne Foto
– wohlgemerkt ohne Foto –
kurz erwähnt,
dass bei der Landesgartenschau 2025
auch Politik-Prominenz der SPD und der Grünen vor Ort war.
Fast wie ein Abspann in kleingedruckt.

Und dann während ich der Präsentation lausche, fällt mir eine Parallele zur Landesgartenschau auf:
Der Slogan der Landesgartenschau war
„Sagenhaft viel erleben!“
Im Flyer konnte man lesen:
sagenhaft viel Mitmachen, sagenhaft viel Kultur, sagenhaft viel Wissen
Und was entdeckte ich auf dem Wahlplakat der CSU für einen genialen Slogan: „Sagenhaft gut!“
Da hat sich ja jemand richtig was einfallen lassen, man könnte fast meinen, der Spruch ist geklaut.
Da wurde nicht nur die Blumendekoration
sondern gleich das Werbekonzept übernommen. Aber gut – Recycling ist ja nachhaltig.

4. Nochmal der Jahresempfang - und das Wunder der männlichen Artenvielfalt 🐟
Liebe Furtherinnen und Further,
Zum Thema Jahresempfang gibt es noch viel mehr Interessantes zu berichten.
Denn dieser Abend hatte nicht nur an einseitigem Bildmaterial, sondern auch biologisch eine ganz besondere Bedeutung.
Es gab nämlich wieder eine Fragerunde auf der Bühne.
Der Bürgermeister lud dazu sage und schreibe fünf Personen ein.
Fünf.
Und es geschah etwas Erstaunliches.
Es waren…
ausschließlich Männer.
Kein Zufall.
Keine Ausnahme.
Keine Verirrung.
Nein.
Ein reiner Männer-Schwarm.
Ein Hecht.
Ein Karpfen.
Ein Zander.
Ein Waller.
Und vermutlich noch ein besonders meinungsstarker Stichling.
Keine einzige Forelle. Kein anmutiger Zierfisch.
Keine einzige weibliche Stimme.
Und die prompte Erklärung, warum denn keine Frauen auf der Bühne sei, kam durch den Bürgermeister selbst:
Die Frauen, die er hätte auf die Bühne einladen können, stünden ja alle als Kandidatinnen auf Listen.
Das ist eine faszinierende Logik.
Denn das bedeutet im Umkehrschluss:
Frauen, die sich politisch engagieren, sind offenbar zu politisch, um öffentlich sprechen zu dürfen.
Das muss man erst einmal verstehen.
Vor allem, wenn man bedenkt:
Letztes Jahr war es genau dasselbe.
Auch nur Männer auf der Bühne.
Und da war kein Wahlkampf!
Da standen die Frauen logischerweise nicht auf Listen.
Aber trotzdem nicht auf der Bühne.
Man könnte fast meinen, es liegt nicht an den Listen.
Sondern an der Einladungspolitik.
Aber ich will hier nichts unterstellen.
Vielleicht war es einfach Zufall.
Ein rein biologischer Zufall.
Ein spontanes Auftreten einer rein männlichen Fischpopulation.
Kommt in der Natur vor.
Sehr selten.
Aber in Furth offenbar regelmäßig.
Bei der SPD wird das nicht passieren, bei uns schwimmen Forellen und Hechte gemeinsam, denn wir wissen, Politik braucht Vielfalt.

5. 🐟Im Gegenzug dazu: Die SPD und das Wunder der weiblichen Artenvielfalt 🐟
Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
wenn wir schon beim Thema Vielfalt sind, dann müssen wir über eine ganz besondere zoologische Sensation sprechen:
Die SPD-Fraktion im Further Stadtrat hat eine Frauenquote von…
100 Prozent.
Ich wiederhole das bewusst, weil manche es vielleicht für einen Druckfehler halten:
100 Prozent.
Das ist keine Quote.
Das ist ein Statement.
Während andere Fraktionen noch überlegen, ob Frauen in der Kommunalpolitik ein Zukunftsmodell sind, lebt die SPD längst in dieser Zukunft.
Und nicht nur im Stadtrat.
Auch auf unserer aktuellen Stadtratsliste haben wir über 50 Prozent Frauen.
Über 50 Prozent!
Das bedeutet:
Während andere Listen noch verzweifelt nach einzelnen weiblichen Exemplaren suchen wie seltene Tiefseefische nach einem Lichtstrahl,
hat die SPD einen ganzen, selbstbewussten, starken Forellenschwarm.
Und wir gleichen damit ganz nebenbei die unterdurchschnittliche Frauenquote anderer Listen aus.
Man könnte sagen:
Wir leisten hier nicht nur politische Arbeit.
Wir leisten auch statistische Entwicklungshilfe.
Denn Gleichberechtigung ist für uns kein Wahlkampfslogan.
Sie ist Realität.
Bei uns sitzen Frauen nicht in der zweiten Reihe.
Bei uns sitzen sie im Stadtrat.
Am Tisch.
Am Mikrofon.
Und das ist gut so.
Denn starke Politik braucht starke Stimmen.
Und starke Stimmen brauchen kein Geschlecht.
Nur Rückgrat.
Und davon hat die SPD in Furth im Wald mehr als genug.

6. Die Fische vom Außenbereich
Meine liebe Fischgemeinde und Petrijünger, man fragt sich ja inzwischen, was da eigentlich alles ins Futter gemischt wird. Da werden im großen Aquarium namens Stadtrat plötzlich Außenbereichsvorhaben durchgewunken – für Bewerber, die das dazugehörige Grundstück noch gar nicht besitzen.
Ich wiederhole: Noch gar nicht besitzen!
Sie schwimmen quasi auf gut Glück durchs Wasser und zack – zwei Tage später ist der Grundstücksbewerber plötzlich Teil des größten Schwarms und will es auch bis 2032 bleiben.
Da reibt sich selbst der erfahrenste Karpfen die Augen und fragt sich: War das göttliche Fügung? Oder eher ein sehr gut platzierter Köder?
Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich im politischen Teich aus einem Luftschloss ein Baugrundstück materialisiert. Schneller, als ein Hecht zuschnappen kann. Erst kommt die Genehmigung, dann kommt das Grundstück, und dann kommt das Foto im Flyer – als wäre die Reihenfolge völlig nebensächlich. Da muss man sich wirklich fragen, ob hier höhere Mächte wirken oder ob manche Fische einfach näher am Futterautomaten schwimmen als andere.
Und wir kleinen Fische unten im Schlamm schauen nach oben, sehen die Brotkrumen fallen und denken uns: „Welch Wunder! Welch Timing!“
Denn während wir uns mühsam durch Algen und Bürokratie kämpfen, scheint es für andere zu reichen, einmal kurz mit der Flosse zu winken – und schon öffnet sich das Tor zum Außenbereich, wie sich einst das Rote Meer für besonders Auserwählte teilte. Halleluja, möchte man da fast blubbern.

Insbesondere das Schwimmen und Laichen, kurz der Lebensraum im Außenbereich ist sehr interessant und wird immer wieder diskutiert. Die Verwaltung - mit ernster Miene und vermutlich auch ernster Stirnfalte - fleißig wie ein Schwarm Grundeln, legt Beschlussvorlagen vor, die so klingen, als wäre jedes Bauvorhaben außerhalb des Ortskerns ein schwerer Verstoß gegen die natürliche Ordnung der Gewässer.
Ablehnen, man kann nichts machen – so steht es nun mal geschrieben in der Tümpelordnung. Doch dann, wie durch ein kommunalpolitisches Wunder, schwimmt der sagenumwobene Schwarm der Umlandslisten heran – dieses magische Netz, das alles auffängt, was sonst davongeschwommen wäre.
Und plötzlich wird genehmigt, was eigentlich noch streng abgelehnt werden müsste.
Schließlich will der Großschwarm der ganz dunklen, ja fast schwarzen Fischen nicht, dass Fischchen angeblich stromabwärts nach Arnschwang abdriften, wo die Gewässer offenbar so fruchtbar sind wie ein gut gepflegtes Laichbett. Gesetzliche Tümpelordnung hin oder her.

Besonders unvergessen bleibt eine philosophische Frage eines geschätzten Bitterlings im Stadtrat, der angesichts eines Anwesens mit eher rudimentärem Wandanteil, Stichwort Ersatzbau,
wissen wollte, ab wie vielen Mauerresten eigentlich noch von einem „Haus“ gesprochen werden könne.
Zwei Ziegelsteine? Drei? Oder reicht schon eine nostalgische Erinnerung an einen Gesteinshaufen und ein alter Grundbucheintrag? Man weiß es nicht genau – aber wir genehmigen vorsorglich schon mal den Neubau, bevor auch noch der letzte Stein durch Erosion verschwindet.

Und so fragen wir uns manchmal mit ehrlicher Verwunderung: Warum macht sich die Verwaltung eigentlich so viel Arbeit mit diesen kunstvoll formulierten Ablehnungsvorlagen, die sich am Gesetz orientieren?
Denn am Ende des Tages ist es doch wie beim Angeln: Erst wird lange erklärt, warum heute kein Fisch beißen wird – und dann ziehen wir ihn trotzdem an Land. Inklusive der folgenden Probleme wie Zufahrt, Wasseranschluss, Kanal, Schulbus usw.

7. Sechs Jahre Tiefsee – und plötzlich Sprungfische
Und noch etwas ist faszinierend.
Nach der letzten Wahl wurde es erstaunlich still.
Manche Listen verschwanden - in den Untiefen des Marianengrabens.
Homepage? Veraltet.
Facebook? Letzter Beitrag: „Danke für Ihr Vertrauen 2020.“
Instagram? „Mia kenna bloß Kilogramm.“
Sechs Jahre lang dümpelte es ruhig vor sich hin.
Und jetzt – kurz vor der Wahl –
springen alle plötzlich wie Delfine im Seaworld durchs Internet.
Man denkt sich: Mein Gott, ein Wunder! Eine politische Auferstehung.
Beiträge!
Videos!
Statements!
Selfies!
Man fragt sich fast:
War das WLAN sechs Jahre kaputt? Oder gibt’s noch kein Glasfasernetz? Es soll ja in Furth noch Ortsteile geben, die über Rauchzeichen oder Kupferkabel kommunizieren müssen.
Oder ist der Wahlkampf ein Aktivierungscode?
Währenddessen war die SPD wie ein aktiver Schwarm. Unsere Seiten sind immer aktuell.

Und dann war da noch das Plakatieren.
Der amtierende Bürgermeister hat seine Plakate über eine Woche zu früh aufgehängt.
Trotz eigener Plakatierverordnung. Oder gilt die Verordnung nur für andere Fischschwärme?
Oder soll es zeigen:
Dieser Mann lebt in der Zukunft. Er ist seiner Zeit voraus.
Vielleicht weiß er ja auch schon, wie die Wahl ausgeht. Oder braucht er für die nächste Wahl einen großformatigen Kalender, damit er die Termine für die eigenen Regeln besser einhalten kann.
Aber ruhig Blut, auch in Dorfen bei Erding passierte solch ein Zitat „Versehen“. Auch dort verstieß die allmächtige CSU gegen die Plakatierverordung – und musste die Plakate wieder abhängen. Demnach befindet man sich in bester Gesellschaft.

Besonders kurios wird es allerdings bei den Plakatstellwänden.
Plötzlich wird es eng im Weiher.
Vor allem an den Plakatwänden.
Eigentlich sind sie für alle da.
Theoretisch.
Praktisch benehmen sich manche Fische allerdings wie Platzhirsche im Karpfenteich.
Da werden gleich mehrere Plakatplätze belegt, egal ob man aufgestellt ist auf Listenplatz 1, 9 oder 327.
Als gehöre die ganze Stellwand zum eigenen Revier.
Fairness?
Scheint für manche nur ein Wort zu sein,
kein Prinzip.
Dabei wissen wir doch alle:
Der Platz reicht ohnehin nicht.
Und Demokratie lebt nicht davon, wer am lautesten oder größten auftritt,
sondern davon, dass man sich an Regeln hält
und andere nicht verdrängt.
Die SPD braucht keinen Ellbogen-Wahlkampf.
Wir überzeugen nicht durch flächendeckendes Tapezieren, sondern durch Inhalte.

8. Einfach mal machen
Zum Beispiel im Juni 2025:
Da wurde der Wohnmobilstellplatz eröffnet –
beantragt von der SPD Furth im Wald.
Und was ist passiert?
Plötzlich kamen sie alle:
auswärtige Fische,
Reisefische,
Urlaubsfische,
Fischlein, die nur kurz vorbeischwimmen,
Neugierige aus fremden Gewässern.
Der Stellplatz wird genutzt, er wird gelobt
und – man glaubt es kaum –
er sammelt beste Bewertungen.
Kein Geschimpfe.
Kein Drama.
Einfach ein gutes Angebot, das angenommen wird.
Aber nicht nur der Stellplatz wurde umgesetzt!
Wir machen Kommunalpolitik für unseren l(i)ebenswerten Tümpel
Büchereikonzept?
Umgesetzt. Lesen ist übrigens immer noch besser als dümmliche Facebook-Kommentare.
Abgesenkte Bordsteine?
Umgesetzt. Damit eine Straßenüberquerung nicht zum Hochsprung wird.
Barrierefreiheit ist keine Ideologie, sondern gesunder Menschenverstand.
Sicherer Weg zum Kindergarten?
Umgesetzt.
Fußwegmarkierung in der Grabitzer Unterführung?
Umgesetzt, damit alle sicher ankommen und nicht wie Lachse gegen den Strom schwimmen müssen.
Trinkwasserversorgung in der Stadt, Schattenplätze und vieles mehr?
Umgesetzt

Seltsamerweise fand sich die ein oder andere gute Idee bzw. Anfrage der SPD auf wundersame Weise und mit einigem zeitlichem Verzug plötzlich in Konzepten anderer Fraktionen wieder.
Erinnert stark an chinesische Plagiate: Diese sind auch ähnlich - aber nicht so gut wie das Original.
Und was wollen wir?
Wir ruhen uns nicht auf Erfolgen aus.
Wir setzen neue Themen.
Hallenbad:
Sanieren oder neu bauen?
Wir sind Realisten.
Ohne Geld kein Sprung ins Becken.
Vielleicht erinnert man sich in München ja noch,
dass Furth im Wald auch zu Bayern gehört. Nicht nur während des Drachenstichs oder zur Landesgartenschau. Wenn ein Fördertopf vorbei schwimmt, stehen wir mit dem Kescher bereit.
Späthareal:
Neues Leben. Wohnungen. Ein Bürgerhaus.
Ein Ort, an dem sich junge Fischlein und alte Haie begegnen können, ohne dass jemand gefressen wird.
Verkehr & Infrastruktur:
Radwege, damit Radfahrer kein Testament schreiben müssen, bevor sie losfahren.
ÖPNV, der fährt, wenn man ihn braucht und auch den Außenbereich mitnimmt.
Nachhaltige Gewerbeentwicklung.
Sozialer Zusammenhalt:
Verlässliche Kinderbetreuung, auch in den Ferien
Angebote für Senioren.
Nachbarschaftshilfe.
Respekt vor jedem Lebenslauf.
Klimaneutralität:
Kein Plan für die Schublade –
sondern Umsetzung. Klimaschutz ist kein Dekofisch.
Gemeindeschwester:
Damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben können.
Denn eine Gesellschaft zeigt ihre Stärke nicht daran, wie sie mit den Starken umgeht, sondern mit denen, die Unterstützung brauchen.
Jugend:
Ein Streetworker, der da ist, bevor Probleme eskalieren.
Manch junges Fischlein schwimmt halt gern mal in die falsche Richtung, dann muss man ihm die Orientierung zurückgeben.

9. Schlusswort
Liebe Freundinnen und Freunde,
wir sind keine Meckerele.
Wir sind keine Tarnliste.
Wir sind keine Wahlkampf-Eintagsfliege.
Wir sind da.
Wir sind die SPD Furth im Wald.
Bodenständig.
Verlässlich.
Und mit klarer Haltung.
Wir schwimmen nicht im Kreis.
Wir tauchen nicht ab.
Wir bleiben sichtbar.
Und vor allem:
Wir schwimmen nach vorn.
Glück auf –
und guten Appetit.