In der Further Redaktion hatten die Listenführer der Further SPD Gelegenheit, ihre Ziele darzulegen.
Chamer Zeitung vom 06.02.2025
Text und Bild: Thomas Linsmeier
Mehr als das soziale Gewissen der Stadt
Further Listen-Gespräche: Das möchte die SPD in den kommenden sechs Jahren für die Grenzstadt erreichen. Darunter findet sich ein Bürgertreffpunkt an der Lorenz-Zierl-Straße.
Von Thomas Linsmeier
Furth im Wald. Zugegeben, die Sozialdemokraten hatten schon bessere Zeiten. Was im Bund nicht so rund läuft, bekommen auch ihre Vertreter auf lokaler Ebene zu spüren. Würde jedoch die SPD deutschlandweit über das Renommee und das Engagement verfügen, das sich in Furth Sozialreferentin Silke Schell und zuvor deren Mutter Wera Müller erarbeitet haben, wäre das Image vermutlich deutlich besser. Schell führt auch diesmal die SPD-Liste für die Stadtratswahl an. Nachdem ihre bisherige Parteikollegin im Stadtrat, Jennifer Dietl, nur noch auf Platz 15 antritt, steht ihr Johann Pohmer auf Rang zwei zur Seite. In unserer Reihe „Further Listen-Gespräche“ wollten wir von beiden wissen, warum man die SPD wählen sollte.
Und dazu passt unsere erste von sechs Fragen, die wir allen Parteien und Wählergruppierungen, die am 8. März die Further Wähler um ihre Stimmen bitten, stellen:
• Warum braucht es die SPD in Furth?
Was unterscheidet sie von anderen? Allen voran wegen des sozialen Aspekts, müssen Schell und Pohmer nicht lange überlegen. „Wir werden deshalb auch gezielt von den Bürgern angesprochen“, so die Sozialreferentin. Dabei gehe es oft darum, wo man bei Problemen nachfragen könne, was behoben gehöre. Aber auch das Ende der Diabetologie von Dr. Gerhard Groeneveld in Furth habe viele sehr bewegt. „Das unterscheidet uns schon von anderen“, glaubt sie, wobei Pohmer in der SPD-Liste deutlicher als in den der Mitbewerber die Abbildung des Further Gesellschaft sieht. So sei es landkreisweit wohl einmalig, dass sich auf ihr mehr Frauen als Männer finden.
Oft gehe es bei diesen Belangen um Sorgen der Senioren, aber nicht nur. Pohmer nennt als Beispiel die Erstattung der Büchereigebühr für sozialschwache Familien, welche die SPD im Stadtrat eingebracht hatte, damit aber leider gescheitert ist. Daraufhin hätten sich die Further Sozialdemokraten spontan bereit erklärt, für die Beiträge betroffener Familien in Spendenform aufzukommen, denn: „Es gibt halt Leute, für die sind zwölf Euro ein Geld“, mahnt Pohmer. Schell bedauert, dass man auch für die Initiative „Sozialkarte“ keine Mehrheit erlangte. Doch abgesehen vom sozialen Einsatz sieht sie noch einen weiteren Unterschied zu den anderen Gruppierungen: „Wir informieren kontinuierlich auf unserer Homepage und in den sozialen Medien über unsere Aktivitäten – nicht nur alle sechs Jahre zur Wahl“, merkt sie augenzwinkernd an.
• Was hat sich die SPD zum Ziel gesetzt?
Auf jeden Fall wolle man wieder zwei Sitze halten. Deshalb bittet man die Further, die geleistete Arbeit – insbesondere im sozialen Bereich – zu honorieren.
• Wo sieht die SPD in den kommenden sechs Jahren die größten Herausforderungen für Furth im Wald?
Hier haben sich die Further Sozialdemokraten vier Leitsätze gegeben: Sport und Freizeit, Wirtschaft und Infrastruktur, Soziales und Zusammenhalt sowie „Neues Leben auf dem Späth-Areal“ (siehe Details unten). Gerade was den letztgenannten Punkt betrifft, beinhaltet er einen neuen Ansatz. Basierend auf den ursprünglichen Plänen für das ehemalige Brauerei-Gelände zu Beginn der Landesgartenschau-Vorbereitungen will die SPD dort nicht nur ein barrierefreies, generationenübergreifendes Wohnmodell realisieren, sondern auch ein kleines Bürgerzentrum – eben einen Ort für Vereine, kleine Kulturveranstaltungen sowie Senioren- oder Jugendarbeit, der unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden kann. „Das wäre auch ein idealer Ort, damit wir uns mit Bürgern zusammensetzen und ihnen beim Ausfüllen von Anträgen behilflich sein können“, so Schell, denn dafür bestehe in Furth hoher Bedarf. „Das muss kein Luxusbau sein, nur etwas Funktionelles.“
Natürlich steht auch das Hallenbad ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Jedoch mahnt Schell: „Viele andere Bundesländer schießen zum Investitionspaket des Bundes hierfür noch etwas dazu. Bayern jedoch nicht.“ Die Stadt könne nicht planen, weil nicht sicher sei, was man an Förderung bekomme; es fehle hier in Bayern an einem verbindlichen Verteilungsschlüssel. Für wichtig hält die SPD auch, dass während der Bauzeit ein alternativer Schwimmunterricht und entsprechende Kurse ortsnah angeboten werden können, damit hier keine Lücke entsteht.
Was den Drachenstich betrifft, sieht Johann Pohmer Handlungsbedarf für die Spielschar. Aufgrund der Neubelegung des Amtsgerichtsgebäudes und der alten Stadtbibliothek gebe es kaum mehr zumutbare, ausreichende Umkleideräume. Auch das müsse die Stadt angehen.
• Gibt es etwas, das in den vergangenen sechs Jahren vom Stadtrat anders hätte gemacht werden sollen?
„Manchmal haben wir gerade während der Landesgartenschau-Planung viel Geld für etwas ausgegeben, was am Ende nicht realisiert wurde“, wobei Schell die geplante neue Drachenhöhle oder das Bürger-Center auf der Hofer-Insel als Beispiele nennt. „Da haben wir viel Lee(h)rgeld bezahlt.“
• Wo sieht die SPD die größten Stärken und Schwächen von Furth im Wald?
Eine Stärke sieht Pohmer im Engagement der einzelnen Leute, vor allem beim Drachenstich. „Und unsere Schwäche ist die Einstellung: Was, da sollten wir etwas ändern? Lieber nicht!“, meint er schmunzelnd. Das habe man bei der Landesgartenschau gesehen, wie die Skeptiker bis kurz vor Beginn argumentiert hätten.
• Was ist die persönliche Herzensangelegenheit?
„Die Beratung der älteren Bürger“, nennt Silke Schell. Deshalb wäre für sie die Einführung des Projekts „Gemeindeschwester“ sehr wichtig, weil großer Bedarf bestehe. „Das merkt man leider oft erst, wenn man selbst in diese Situation kommt.“ Und für Johann Pohmer ist es wichtig, dass der Spaltung der Gesellschaft entgegengewirkt wird. „Das merkt man leider auch bei uns auf lokaler Ebene“, wobei Schell ergänzt: „Wir müssen in Furth zusammenhalten, sonst geht es nicht!“